Dr. Wolfgang Heubisch

Gleichstellung im Hochschulsystem: Im Rennen um die besten Köpfe müssen wir für Chancengleichheit sorgen

Bayerns Hochschullandschaft vermittelt ein klares Rollenbild: Professuren sind im Freistaat Männerdomäne. Nicht einmal ein Fünftel der Professoren an den bayerischen Universitäten sind Frauen, obwohl die Hälfte der Studierenden weiblich ist. Um die Förderung von Frauen in Hochschulgremien zu forcieren, hat die FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag das Antragspaket "Gleichstellung im Hochschulsystem" erarbeitet.

 

Nach Einschätzung der FDP-Fraktion muss sich das bayerische Wissenschaftssystem so dynamisch und agil verändern, wie es die Welt tut. Es muss möglich sein, Familie, Forschung und Lehre unter einen Hut zu bringen – und zwar unabhängig vom Geschlecht. Hierfür benötigt es ein gezielteres Recruiting, bessere Arbeitsbedingungen und grundlegende Veränderungen der Struktur.

Dazu der wissenschaftspolitische Sprecher Dr. Wolfgang Heubisch: "Wenn wir wollen, dass junge Frauen sich für eine Karriere in der Wissenschaft entscheiden, dann müssen wir die eingetretenen Trampelpfade des bestehenden Wissenschaftssystems verlassen und neue Wege gehen. Wir müssen jetzt handeln und die Bedingungen für eine wirkliche Gleichstellung schaffen. Wir können nicht warten, bis ältere Professoren und Professorinnen ausscheiden und sich etwas bewegt."

In Gesprächen mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitete die FDP-Fraktion Lösungsansätze, um diese mit Empfehlungen aus dem Wissenschaftsrat sowie den Bewerbungen der Exzellenzinitiative zu kombinieren. "Entstanden ist ein einzigartiges Paket voller praktisch umsetzbarer Maßnahmen, die sofort wirken können", so Heubisch und fügt hinzu: "Im Rennen um die besten Köpfe können wir es uns nicht leisten, das eine oder andere Geschlecht zu benachteiligen. Hier hat die bayerische Staatsregierung viel zu lange gewartet. Sie hat es versäumt, entscheidende Weichen für die Zukunft zu stellen."

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und frauenpolitische SprecherinJulika Sandt erklärt: "Wenn Frauenpower sich nicht mit voller Kraft entfalten kann, ist das Ressourcenverschwendung. Wir wissen aus Studien, dass gemischte Teams erfolgreicher sind. Personelle Monokulturen sind dagegen ein Nachteil für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Bayern. Um das zu ändern, muss gerade der öffentliche Bereich mit gutem Beispiel vorangehen. Die Hochschulen sollten zur Speerspitze einer vielfältigen Gesellschaft werden."

Die Kernforderungen des Antragspakets

· Recruiting

"Dual Career" und "Relocation" Services stärken
❒ Dual Career Service: Unterstützung des Partners beziehungsweise der
Partnerin der oder des Neuberufenen bei der Suche nach beruflichen
Karrieremöglichkeiten am neuen Arbeits- und Wohnort
❒ Relocation Service: Informationen rund um Themen wie Wohnen und
Kinderbetreuung

Lehraufträge für Personen mit Praxisnähe in der Wirtschaft stärken
❒ Ausweitung der Vergabe von Lehraufträgen an Personen aus der Wirtschaft
❒ Einfachere Einbindung in die Hochschullehre, Erfahrungsweitergabe an
die Studierenden aus der Berufspraxis, praxisnahe Lehre, einfachere
Qualifikationsmöglichkeit um eine Professur

Recruiting: Online-Plattform für Mentoring- und Coachingangebote
❒ Unterstützung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf Weg zur Professur
❒ Unter besonderer Berücksichtigung ihrer fachlichen Beratungsbedürfnisse

· Arbeitsbedingungen

Flexiblere Betreuungsmöglichkeiten schaffen
❒ Familienfreundliche Flexibilisierung der Kinderbetreuungszeiten zur Erhöhung der Chancengleichheit für Studierende sowie Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiterinnen mit Kind
❒ In der Übergangszeit ein "Babysitter-Zuschuss" an alle, die keine Betreuungsplätze vorfinden

Better Research Sabbatical
❒ Soll jedem Lehrenden mit starken familiären Verpflichtungen einmalig
zugestanden werden
❒ Der gewonnene Freiraum kann für die wissenschaftliche Weiterqualifizierung genutzt werden

Mehr Teilzeit-Professuren schaffen
❒ Um der geänderten Lebenswirklichkeit der Gesellschaft und den veränderten Arbeitszeitprämissen gerecht zu werden, bedarf es solcher Karriereoptionen auch im Hochschulkontext

· Strukturelle Ebene

Gleichstellungsbeauftragte/r in der Hochschulleitung
❒ Um Chancengleichheit in Forschung und Lehre zu intensivieren, soll eine
Gleichstellungsbeauftragte oder ein Gleichstellungsbeauftragter ordentliches Mitglied des Hochschulpräsidiums werden

Berufungen am Kaskadenmodell orientieren
❒ Um einen unverhältnismäßig hohen Anteil an männlichen oder weiblichen Hochschulprofessoren zu vermeiden, sollen sich Berufungen – bei
gleicher Qualifikation der Kandidatinnen bzw. Kandidaten – am Kaskadenmodell orientieren
❒ Besetzung der Hochschulgremien
❒ Geschlechtsspezifische Zusammensetzung der Gremien von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen soll sich ebenso
am Kaskadenmodell anlehnen.

Link zum Antragspaket